Jahreslosung 2018

Gott spricht: „Suche Frieden und jage ihm nach!“

Psalm 34,15.

Gedanken zur Jahreslosung 2019

Wenn Steine erzählen

Man könnte meinen, das gibt ́s doch gar nicht, aber so etwas erlebt man immer wieder.
Manchmal  geben  Steine  einen  Anstoß  oder  liegen  einfach  im Weg.  Unter  dem  Fußboden  im  Fundament  des  ehemaligen  barocken  Altars  (1760)  in  der  Soraer  Kirche.  Dort kam ein behauener, farbig gefasster, Sandstein zu Tage. Gleich vorweg, er verbleibt als Zeitzeuge  an  der  Stelle,  wo  er  gefunden  wurde  und  verschwindet  wieder  unter  dem neuen  Fußboden.  Ein  Sandstein  mit  Farbschichten,  was  kann  der  schon  erzählen.  Ja, die Untersuchung der Restauratorin Ute Schreiber hat ergeben, dass über einer ersten rötlichen  Farbschicht  eine  Brandschicht  zum Vorschein  kam.  Es  hat  also  mal  gebrannt in  der  Kirche  in  Sora.  Die  große  Geschichte  erzählt  uns  dann,  dass  dieser  Brand  1429  gewesen ist, als die Hussiten hier alles verwüsteten und niederbrannten. Auch die Kirche von Taubenheim wurde damals ein Raub der Flammen. Diese Brandschicht fanden die Archäologen auch an den uralten Kirchenfundamenten und bei den Ausgrabungen im Fußboden.  Die  verkohlten  Fußbodenbalken  und  die  ursprünglichen  Dielenbretter  haben sich noch deutlich sichtbar nachweisen lassen. Was Krieg und Zerstörung bedeuten, erzählen diese Spuren, erzählen alte Steine.


Der  Grabstein  von  1813  vor  der  Kirchentür  berichtet  uns  vom  gewaltsamen Tod  eines Mannes aus Lotzen, den ein Italiener erschossen hat, „weil er kein Brot mehr geben konnte“  –  so  liest  man  es  im  Kirchenbuch.  Denn  vorher  waren  schon  die  Kroaten  hier  und hatten  alles,  was  essbar  ist,  mitgenommen.  Die  Kriege  der  Napoleonzeit  erschütterten ganz Europa von Moskau bis Paris und dazwischen all unsere kleinen Dörfer im Meißner Land auch.


Dann fast 500 Jahre nach der Zerstörung durch die Hussiten sind es wiederum Spuren der Zerstörung, die von Steinen erzählt werden.


Am 6. Mai 1945 wurde die Kirche von Sora durch russische Kampfverbände stark beschädigt, ja zerstört. Man konnte die Kirche über drei Jahre lang nicht mehr benutzen. Was nicht  zerschossen  worden  ist,  wie  der Turm,  die  Glocken,  das  Kirchendach,  die  Fenster und Baken, das wurde in der Folge noch mit den Füßen umgestoßen (Taufstein) oder mit dem Bajonett zerschlitzt (Altarbild).

Ein Bild der Zerstörung muss die Kirche damals geboten haben. Der furchtbare Krieg war bis in unsere Dorfer zurückgekehrt. Ein wiederentdecktes Soldatengrab erinnert noch an den 18-jährigen Gefallenen Josef Hövels (6. Mai 1945).

Steine erzählen. Im Altarblock von 1948 hat man Reste des Taufsteins eingemauert.
Wir haben sie unversehrt geborgen. Von der Taufschale fehlt jede Spur. Diese Teile des
Taufsteins  von  1874  sollten  uns,  die  wir  sie  einst  wieder  finden  würden,  erinnern  und mahnen.  Sie  sollten  nicht  verloren  gehen.  Die  Erinnerung  sollte  bewahrt  werden,  obwohl sie eingemauert und unsichtbar waren.


Nach dem letzten Weltkrieg wollten die Menschen, dass so etwas nie wieder geschieht.  So  entstanden  die  bis  heute  Frieden  bewahrenden,  weltweiten  Institutionen  und Verbände. Auf  Seiten  der  Christenheit  ist  es  der  Ökumenische Weltrat  der  Kirchen  (ÖRK),  in  dem auch die katholische Kirche mit Gastrecht vertreten ist. Das war etwas völlig Neues. Die Christen wollten helfen, dass es nie wieder zu Krieg kommen soll. Es entstanden die UNO, der Welt-Sicherheitsrat und viele andere große und kleine Bewegungen, die Versöhnung und Bewahrung des Friedens zum Ziel hatten. Und es entstand die Europäische Union, die heute fast ganz Mitteleuropa verbindet.Die Europäische Union wurde begründet, um den Frieden in Europa zu bewahren. DieEuropäische Union wurde nicht ins Leben gerufen, um möglichst großen Wohlstand zu gewährleisten. Freilich hat sie vielen Menschen Wohlstand gebracht, aber ohne Frieden wäre das alles beendet. So eine große Institution krankt an vielen Stellen, aber die Probleme,  die  sich  immer  wieder  stellen,  lassen  sich  mit  gutem  Willen  und  klarem  Menschenverstand mittelfristig lösen. Eine mühsame Problemlösung, bei der auch nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen, ist aber auf alle Fälle besser als Krieg. Während ich diese Zeilen schreibe, werden Frieden bewahrende Abrüstungsverträge in Frage gestellt.


Gott spricht: „Suche Frieden und jage ihm nach!“  Psalm 34,15. So lautet die Jahreslosung 2019. Umso wichtiger ist es, dass wir die Friedensbotschaft aus der Bibel hören und verkündigen.


Die Weihnachtsbotschaft stellt uns alle Jahre wieder vor Augen, was Gottes Wille für uns Menschen ist. „Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“, so verkündenes  die  Engel  auf  den  Feldern  von  Bethlehem  den  Hirten.    Es  wird  sich  alles  daran  entscheiden, ob  wir es  schaffen den  Frieden zu  bewahren und  dorthin  Frieden zubringen wo Krieg ist.  Nur im Frieden kann man die Probleme Welt lösen. Dazu ist Jesus Mensch geworden,  damit  wir  im  Angesicht  des  Nächsten  unsere  Schwester  und  unseren  Bruder erkennen. Die Botschaft von der Liebe Gottes haben die Menschen vor 2000 Jahren nicht ausgehalten. Die Botschaft von der Liebe Gottes gilt bis heute allen Menschen, das ist der Grund aller Weihnachtsfreude. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedvolles neues Jahr 2019.


Ihr Pfarrer Christoph Rechenberg